Für Einige von uns eröffnete sich die Möglichkeit an der heiligen Schwitzhüttenzeremonie teilzuhaben.
Der Lakota-Heiler Mitch Running Wolf führte uns als Sweat Leader, in seiner Schwitzhütte auf der Rosebud Reservation, in die heilige Zeremonie ein.
Selbstverständlich hat bei einem heiligen Ritual der Fotoapparat nichts zu suchen.
Deshalb beschränke ich mich hier auf eine ausführliche Beschreibung!

Wer könnte die Zeremonie besser beschreiben als ein Lakota?

"Zuerst kommt immer das inipi, gleichgültig, ob wir uns zur Feier des Sonnentanzes rüsten oder uns nach einer Vision auf die Suche machen. Vielleicht war inipi unser erstes Ritual, dem alle anderen Zeremonien folgten. ...

Wenn man eine Schwitzhütte baut, widerfährt einem etwas Heiliges und Erhebendes. Wenn zwei Feinde gemeinsam den kleinen, bienenkorbförmigen Bau aufrichten, ist ihr alter Groll vergessen. Neid und Eifersucht verschwinden. ...

Zuerst sucht man sich die richtigen Steine, man findet sie auf den Wiesen oder im Hügelland. ... Man nennt sie Vogelsteine - sintkala waksu-, und sie sehen aus, als seien sie mit Perlen bestickt. ... außer den Steinen sammeln wir Holz für das Feuer. Wir verwenden Holz der Balsampappel, sie ist unser heiligster Baum. Dann muß man hinuntergehen zum Fluß und zwölf weiße Weidenruten schneiden, die man entrindet und im Kreis in die Erde steckt... Man bindet sie in Form eines Bienenkorbes zu einer Hütte zusammen. Obenauf bilden die Weidenruten ein Quadrat, das das Universum und die vier Himmelsrichtungen symbolisiert. Manchmal benutzen wir auch sechzehn Ruten. Diese dünnen Weidenruten bilden das Gerüst für die Hütte wie die Knochen beim Menschen. Dann wird das Gerüst zugedeckt; früher benutzten wir dafür Büffelfelle, heute Decken oder Quilts. ...

Die fertige Schwitzhütte reicht einem Mann ungefähr bis an die Rippen, sie ist also klein, aber für die, die darin hocken, bedeutet sie das ganze Universum. Die Geister aller lebenden Kreaturen und Dinge sind in dieser Hütte vereint, daran glauben wir. Die Erde, auf der wir sitzen, ist unsere Mutter, alles Leben kommt von ihr. In der Mitte der Hütte heben wir eine runde Grube aus, in die später die Steine gefüllt werden. ... Alles was wir in unseren Zeremonien tun, hat für uns eine tiefere Bedeutung und symbolisiert auf diese oder jene Weise das Universum, die Kräfte der Natur, deren Geister immer in unseren Gedanken gegenwärtig sind. ... Der Eingang der Schwitzhütte blickt nach Westen, zum Sonnenuntergang. ... Vor der Hütte stellen wir zwei Astgabeln auf und legen einen Stecken waagerecht darüber, das ist das Gestell, an das wir die heilige Pfeife lehnen. Das ist ein Altar. ... Es muß auch ein Eimer frisches Wasser zur Hand sein. ...

Der Leiter der Zeremonie geht als erster in die Hütte und nimmt seine Pfeife mit. Er bedeckt den Boden mit Salbei, einer heiligen Pflanze. Das bedeutet, die grünen lebenden Dinge, die Geister der Bäume und der Pflanzen sind mit uns in der Schwitzhütte. Dann verbrennt der Führer aromatische Pflanzen, die zu einem Zopf geflochten sind wie das Haar einer Frau. Das eine Ende wird angezündet, und der Duft und der Rauch werden durch Herumwirbeln in der ganzen Schwitzhütte verteilt. So wird alles geheiligt, und alle bösen Gedanken und Gefühle werden vertrieben. Jetzt ist alles bereit, und die Leute können in die Schwitzhütte kommen.

Wenn Du in eine Schwitzhütte kriechst, komme nicht in Badehosen oder mit einem Handtuch um die Lenden. Du sollst ja wiedergeboren werden. Du wirst wie ein Baby aus dem Schoß der Mutter kommen, denn unsere wirkliche Mutter ist die Erde. Du wirst mit neuem Geist aus dem Bad kommen. Du willst doch nicht mit Unterhosen wiedergeboren werden.

Nicht nur Männer reinigen sich im inipi; Frauen benutzen das inipi ebenfalls...

In dem Moment, wo du dich zusammenkauerst und in die Schwitzhütte kriechst, bist Du ein Tier, das in seine Höhle kriecht. Du sollst Dich daran erinnern, daß Du ein Verwandter aller Vierbeiner bist. Wir kriechen hinein, in Richtung gegen den Uhrzeigersinn, der Führer sitzt rechts neben dem Eingang, sein Helfer links. Die anderen können sich hinsetzten, wo sie wollen. Wir brauchen jetzt nur noch einen, der uns von draußen hilft. Dieser Mann wird uns jetzt die heißen Steine, einen nach dem anderen, bringen. ...

Wenn der erste Stein durch den Eingang hereingereicht wird, sagen wir pila-maye - Danke. Der erste Stein wird genau in die Mitte der Grube von Mutter Erde gelegt. Dann ordnen wir vier weitere Steine um ihn herum - Westen, Osten, Norden, Süden - , einen für jede Himmelsrichtung ... ; schließlich einen Stein auf den ersten in der Mitte - für den Himmel und für Großvater Geist. Wenn die ersten sechs liegen, kann man den Rest darauf schichten, wie man will ...

Der Mann, der die Zeremonie leitet, entzündet die Pfeife und reicht sie herum. Das heiligt uns und macht uns zu Brüdern. Der Rauch steht zum Greifen im Raum, wir reiben unsere Handflächen damit ein, reiben ihn in unseren Körper. Wir beten zum Großen Geist. ...

Der Helfer draußen schließt nun die Klappe und sieht zu, daß kein Licht in die Hütte dringt. Der Führer gießt oder sprenkelt dann Wasser über die glühenden Steine. ... Das Wasser ist eiskalt, die Steine rotglühend, und hier haben wir die Vereinigung der Erde mit dem Himmel und des Lebenswassers mit dem heiligen Atem des Geistes... Eine große Kraft steigt auf. Wir atmen ihn ein, diesen Odem, trinken das Wasser, den weißen Dampf - er bedeutet die Wolken, die lebendige Seele, das Leben. Die Hitze ist nun sehr groß. Die Lungen atmen Feuer ein ...

Die ganze Hütte bebt und zittert, wenn die Männer "tunka-shila, hi-yay, hi-yay" singen. Die Hitze und die Kraft der Erde treffen dich voll. Du atmest es ein, füllst dich damit an. Die Kraft dringt in dich ein, heilt dich. Der Dampf wird von der Haut gebremst, aber die Erdkraft durchdringt deinen Körper und deinen Geist. ...

Wir machen viermal die Klappe auf und lassen Licht und kühle Luft herein. Zwei Lieder werden gesungen und dazu öffnen wir die Klappe wieder. Viermal gießen wir Wasser auf und viermal rauchen wir den roten Weidenrinden Tabak, dessen Rauch hinaufsteigt zum Großen Geist. ...

Nachdem wir die vierte Runde geraucht haben, sagen wir "Mitakuye oyasin" (Alle meine Verwandten), und damit endet die Zeremonie. ... Wir verlassen die Schwitzhütte in der Richtung der Sonnenbewegung gegen den Uhrzeigersinn. ... Wir entsteigen dem Bad mit dem Gefühl des Wohlseins, mit klarem Kopf - glücklich. ...

Ich hoffe, bald kommt der Tag, wo jeder Indianer wieder seine Schwitzhütte neben seinem Haus stehen hat." (1)


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