| General Miles verstärkte seine Truppenverbände,
um den Geistertanz-Kult einzudämmen. Doch zu seiner Überaschung
blieben weitere Zwischenfälle nach dem Tod von Sitting Bull aus. ...
Die größte Schar der mutmaßlichen Feinde waren die Minneconjous
unter Big Foot. Miles gab Oberst Edmund V. Sumner den Auftrag, den alten
Häuptling zu stellen, doch der Offizier zögerte. Er hielt die
Anweisung für unnötig und sinnlos, weil er befürchtete, daß
sie eine kriegerische Auseinandersetzung auslösen würde. Big Foot,
durch die Vorbereitungen der Armee beunruhigt ergriff mit seinen Minneconjous
die Flucht. Miles glaubte fälschlicherweise, daß der Häuptling
sich den Oglala- und den Brulé-Sioux anschließen wollte und
machte Oberst Sumner schwere Vorwürfe. Dann entsandte er Kampfverbände,
die Big Foot abfangen sollten, bevor er die übrigen Sioux in Pine Ridge
erreichen konnte. Zu diesen Einheiten gehörte auch die 7. Kavallerie,
die alte Einheit von George Custer. Big Foot hatte nichts dagegen einzuwenden, daß er auf seinem Weg nach Pine Ridge von einer Militäreskorte begleitet wurde. Doch Oberst James M. Forsyth ... hatte von Miles den Auftrag erhalten, die Minneconjous zu entwaffnen und nach Omaha zu verschiffen. |
![]() "Das Duell - Tomahawk und Säbel" von Carles Schreyvogel |
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Als die Sioux von Big Foot am Morgen des
29. Dezember erwachten, sahen sie sich von 500 Soldaten umstellt. Diese
hatten darüber hinaus Hotchkiss-Kanonen in Position gebracht. Während
die Squaws damit begannen, das Lager abzubrechen, ließ Forsyth 120
Kriegr antreten, und gab ihnen den Befehl, ihre Waffen abzuliefern. Sie
händigten dem Oberst nur ein paar alte, unbrauchbare Flinten aus.
Daraufhin ließ Forsyth die Tipis kontrollieren und fand zahlreiche
Gewehre und Munition. Anschließend forderte er seine Männer
auf, auch die Krieger und die Squaws nach Waffen zu durchsuchen.
Die Sioux waren über diese demütigende Prozedur entrüstet. ... Einer von ihnen geriet mit einem Soldaten in einen Zweikampf, ein Schuß fiel - wer ihn abfeuerte, hatte niemand erkennen können. Die Soldaten nahmen das überfüllte Lager sofort unter Feuer. Sie waren nervös und verunsichert, möglicherweise spielte auch der Gedanke an Rache für Litte Big Horn eine Rolle. Ihre Waffen waren auf die kurze Distanz tödlich, doch es war die Artillerie, die den Indianern die größten Verluste zufügte. In den Augen der Indianer und auch vieler Weißer war die Schlacht von Wounded Knee ein reines Massaker. Doch dies ist nur teilweise richtig. Es war in dem Sinne kein Massaker, als daß der Vorfall, im Gegensatz zu Sand Creek 1864, nicht das Ergebnis kaltblütiger Planung war. Auch der Kampf war nicht völlig einseitig - die Armee verlor 25 ihrer Männer. Unter den 150 toten Indianern waren Big Foot, Yellow Bird und zahlreiche Frauen und Kinder. Völlig wahllos hatten die Soldaten um sich geschossen, einige von ihnen waren durch die Kugeln ihrer eigenen Männer gefallen. Die amerikanische Öffentlichkeit war über die Ereignisse von Wounded Knee entsetzt, Erinnerungen an das Massaker von Sand Creek wurden wach. General Miles machte James Forsyth für die Affäre verantwortlich, so daß er ihm die Befehlsgewalt entzog und ihn anschließend vor Gericht stellte. ... Die Schuld am Massaker von Wounded Knee lag nicht bei Forsyth allein: Es war Miles, der ihm den Befehl erteilt hatte, die Minneconjou-Sioux zu entwaffnen und sie nach Omaha zu bringen. Sumner hatte mit recht dazu geraten, die Indianer ohne Gewalt in das Pine Ridge-Gebiet zu begleiten, wo sie sich in Frieden niederlassen wollten. (9) |
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